Aktuelles - Newsletter Dezember 2010

Informationen aus dem Netzwerk


Gut besuchte Tagung zu «Selbstreguliertem Lernen und Begabungsförderung»

Mit 150 Teilnehmenden beging das Netzwerk Begabungsförderung seine traditionelle Herbsttagung in Olten und feierte gleichzeitig sein 10-jähriges Bestehen.
Ins Thema der Tagung einführend zeichnete der Hauptreferent, Prof. Dr. Kurt Reusser, Universität Zürich, die Unterrichtsentwicklung in Schweizer Schulen nach. In Sachen Unterrichtsgestaltung seien zwar auch empirisch nachweisbare Veränderungen in Gang gekommen. Diese würden aber oft an der Oberfläche bleiben und die Tiefenstrukturen des Schülerlernens nicht erreichen. Die Unterrichtsentwicklung müsse von der Inszenierungsebene (Methoden, Sozialformen) auf die Lernprozessebene vorzudringen. An fachlichen Kernideen orientierte, anspruchsvolle und für das Lernen produktive Aufgabenstellungen müssten im Zentrum eines Unterrichts stehen, in dem die Lehrperson, sich auf individuelle Schüler- und Lernsituationen einlassend, die Ko-Konstruktion von Wissen sowie den Aufbau von Kompetenzen unterstützend begleite.
Im anschliessenden Podiumsgespräch unter Leitung von Prof. Dr. Annette Tettenborn (PHZ Luzern) diskutierten Prof. Dr. Miriam Leuchter (PHZ Luzern und Schwyz) und Prof. Victor Müller-Oppliger (PH FHNW) mit dem Referenten. Sie betonten unter anderem, dass Lehrpersonen in der Aus- und Weiterbildung selbst Gelegenheit haben sollten, die Kernprinzipien der vom Referenten dargestellten «cognitive apprenticeship» zu erleben und durch laufende kooperative Unterrichtsentwicklung gemeinsam in die angesprochenen Tiefenstrukturen vorzudringen.
In den Ateliers konnten die Teilnehmenden das Gehörte vertiefen und Beispiele selbstregulierten Lernens von der Eingangsstufe bis zur Sekundarstufe I kennen lernen.
Im Anschluss an die Tagung würdigte Prof. Dr. Willi Stadelmann die Arbeit des Netzwerks. Viel sei erreicht worden vor allem in Sachen Sensibilisierung, doch bleibe im Bereich Unterrichts- und Schulentwicklung noch viel zu tun. Als Ort der Anregung, Koordination, Unterstützung und Verbreitung von Innovation spiele das Netzwerk weiterhin und gerade in der gegenwärtigen bildungspolitischen Situation eine unverzichtbare Rolle.
Für all jene, die an der Tagung nicht teilnehmen konnten, oder sich ein Detail nochmals vergegenwärtigen wollen, sind die Präsentationen zum Referat und den Ateliers zu finden unter www.begabungsfoerderung.ch > Aktuelles > Tagung 2010.

 

Begabtenförderung an den Primarschulen des Fürstentums Liechtenstein
Seit dem Schuljahr 2009/10 läuft bis zu den Sommerferien 2012 an allen Primarschulen des Landes das Projekt «Begabtenförderung», welches als Schulentwicklungsprozess angelegt ist. Die Primarschulen sollen Erfahrungen sammeln, wie sie die besonders begabten Schülerinnen und Schüler noch gezielter fördern können. Die Pädagogische Arbeitsstelle des Schulamts FL leitet das Projekt zusammen mit einer Projektgruppe. Im Rahmen des Projektes erhalten die Schulen je nach Anzahl Schülerinnen und Schüler ein bestimmtes Kontingent von Förderstunden. Jede Primarschule hat eine oder mehrere Lehrpersonen zur Projektkoordination eingesetzt, welche die Erarbeitung eines spezifischen Begabtenförderkonzeptes realisieren und als Ansprechpersonen verfügbar sind. Weitere Informationen zum Projekt sowie diverse Downloads zu seinen Grundlagen finden sich unter http://assi.educanet2.ch/agbegabtenfoerderung/.ws_gen/.

 

Informationen von anderen Organisationen


Impulsveranstaltungen: LISSA-Preisträger 2010 stellen sich vor

Um interessierten Schulteams, Schulleitungen und Behörden gute Beispiele für integrative Begabungs- und Begabtenförderung leichter zugänglich zu machen, organisieren die Verantwortlichen des LISSA-Preises zusammen mit den Preisträgern 2010 drei Impulsveranstaltungen.
Die erste Impulstagung gilt den Stadtschulen Zug und findet am Mittwoch, 16. März 2011, in Zug statt. Sie soll vor allem Schulleitungen und Projektverantwortliche von grösseren Schulgemeinden ansprechen, die an der Umsetzung eines Gesamtkonzepts interessiert sind.
Die zweite Einladung führt am Dienstag, 24. Mai 2011, an die Primarschule am Wasser in Zürich. Die Veranstaltung ist für Schulen konzipiert, die neben der Förderung innerhalb der Klasse und Massnahmen wie Akzeleration oder Teilnahme an ausserschulischen Programmen möglichst viele Begabungen der Schülerinnen und Schüler fördern wollen.

Die dritte findet am Mittwoch, 25. Mai 2011, an der Primarschule Gettnau (LU) statt und eignet sich vor allem für Teilnehmende, die an einem umfassenden, komplexen Modell für kleinere Schulen interessiert sind.
Die Impulsveranstaltungen beginnen jeweils ca. um 13.15 Uhr und enden gegen 17.15 Uhr. Die Unkosten werden vom LISSA-Preis getragen, der auch die Anmeldung bis eine Woche vor der Veranstaltung entgegennimmt. Weitere Details siehe→ www.lissa-preis.ch.


Philoteen – Angebot des Aargauer Literaturhauses mit Eva Zoller Morf

Unter der Leitung der bekannten Philosophie-Pädagogin führt das in Lenzburg domizilierte Aargauer Literaturhaus ein Wochenende für Jugendliche von 13 bis 16 Jahren durch. Jugendliche, die sich für philosophische Fragestellungen interessieren und das philosophische Handwerk erlernen oder vertiefen möchten sind in dieser Denkwerkstatt vom 29. - 30. Januar 2011 willkommen. Die Anmeldung läuft bis 19. Januar 2011; Teilnehmerzahl beschränkt. Details und Anmeldung: → www.aargauer-literaturhaus.ch.
Das neue Buch von Eva Zoller Morf «Selber denken macht schlau» zum Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen ist im Zytglogge-Verlag erschienen und kann in Buchhandlungen oder über die Homepage der Autorin bestellt werden (→ www.kinderphilosophie.ch).


Symposium Begabung 2011: «Von- und aneinander lernen, Potentiale entdecken»

Das Symposium Begabung findet am Samstag, 26. März 2011, an der PHZ Zug statt. Louis Palmer, bekannt für sein Solarmobil, und Mario Gregurek, Verkaufstrainer und Leiter des Büros «creativ input», zeigen auf, wie sie das Tagungsthema umsetzen und welche Bedeutung sie ihm für die Schule beimessen. In zwei Zeitschienen werden zahlreiche Ateliers angeboten und stehen Reflexionsinseln zur Verfügung. Detaillierte Informationen zum Programm sowie das Anmeldeformular sind verfügbar unter → www.zug.phz.ch.


Wings: Kreativität – Schöpferisches Denken belebt den Unterricht, 10.-14.10.2011

Zum zehnten und letzten Mal wird das Intensivseminar zur Begabungs- und Begabtenförderung im kommenden Herbst stattfinden. Durchführungsort ist Zürich-Oerlikon, verantwortlich zeichnen Joëlle Huser und Romana Leuzinger. Unter den Referierenden sind Albert Ziegler (D) und James Webb (USA) zu finden. Vom 12. - 14. Oktober können bildungspolitisch Verantwortliche das speziell für sie konzipierte Kurzseminar besuchen.

Die Anmeldung demnächst unter: → www.wingsseminar.ch.

 

Lesetipps


Alle gleich – alle unterschiedlich!

Unter diesem Titel haben Alois Buholzer und Annemarie Kummer Wyss von der PHZ Luzern in der Reihe «Lehren Lernen» (Klett und Balmer) ein Lehrbuch zum Umgang mit Heterogenität in Schule und Unterricht herausgegeben. Im ersten Teil finden sich Beiträge zu Erscheinungsweisen von Heterogenität, darunter ein Artikel von Christian Fischer zur Begabungs- und Begabtenförderung. Im zweiten Teil geht es um den produktiven Umgang mit Heterogenität im Unterricht. Die Beiträge reichen von «Lernprozesse förderorientiert diagnostizieren» (Alois Buholzer) über «Lernen verstehen und eigenständiges Lernen fördern» (Titus Guldimann) sowie «binnendifferenziert unterrichten» (Klaus Joller-Graf) bis zu «kooperativ lernen» (Silke Traub) bzw. «kooperativ unterrichten» (Annemarie Kummer Wyss). Zu allen Beiträgen sind Aufgaben formuliert, die Leserinnen und Leser zur vertieften Auseinandersetzung mit den Texten anregen sollen. Der Band wird ergänzt durch Download-Material.

Er ist erschienen beim → Klett und Balmer Verlag Zug (ISBN 978-3-264-83850-3).


Stärken entdecken – erfassen – entwickeln: Das Talentportfolio in der Schule

Hauptziel der Publikation von Urs Eisenbart, Beat Schelbert und Esther Stokar-Bischofberger ist die Einführung in die stärkenorientierte Förderung auf allen Stufen der Volksschule. Differenziert wird aufgezeigt, wie die Stärkenorientierung auf verschiedenen Ebenen des pädagogischen Handelns angelegt werden kann. Systematisch und angereichert mit zahlreichen Beispielen werden Grundlagen und Begründungen zur Stärkenorientierung geliefert. Praxisnah wird eine stärkenorientierte Unterrichtskultur und die darin wirksamen Haltungen und Interaktionsmuster beschrieben. Schliesslich wird die Arbeit mit dem Talentportfolio je separat für die Primar- und die Sekundarstufe I erläutert. Die Publikation wird ergänzt durch eine CD-ROM mit vielfältigem, direkt einsetzbarem Material. Das Werk, dessen Autorin und Autoren seit vielen Jahren mit dem Talentportfolio als Kernstück des Schulischen Enrichments arbeiten, soll Lehrpersonen ermutigen, Stärkenorientierung im Unterricht zu leben, und sie befähigen, das Instrument Talentportfolio gezielt einzusetzen.

Es ist erschienen im → schulverlag plus (ISBN 978-3-292-00629-5).


«journal für begabtenförderung» 1/2010

Die erste Nummer 2010 der Zeitschrift ist dem Thema «Selbstgesteuertes Lernen» gewidmet. Christine Sontag und Heidrun Stöger referieren zahlreiche Studien zu selbstreguliertem Lernen und Hochbegabung und fassen sie zusammen. Albert Ziegler, Heidrun Stöger und Robert Grassinger stellen die Möglichkeiten der Diagnostik selbstregulierten Lernens mit dem FSL-7 vor (Fragebogen Selbstregulierten Lernens im siebenstufigen Zyklus). Christian Fischer und Christiane Fischer-Ontrup präsentieren Forschungsergebnisse zu Strategien selbstregulierten Lernens in der schulischen Begabtenförderung. Für die Praxis schreibt Dagmar Berg-Winkels zum selbstregulierten Lernen im Elementarbereich (Kindertagesstätten) und Victor Müller-Oppliger plädiert für eine Weiterentwicklung der Begabtenförderung zu selbstgestaltendem Lernen im Rahmen von Selbstlernarchitekturen, wie sie an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz praktiziert werden. Fallgeschichten und ein Kommentar von Friedrich Oswald zum Thema runden die Nummer ab.


«journal für begabtenförderung» 2/2010

Der Titel der zweiten Nummer 2010 heisst «Sensitivität nach Dabrowski». In der Ausgabe kommen zeitgenössische Expertinnen und Experten zu Wort, welche die Theorien und Forschungsarbeiten von Kazimierz Dabrowski (1902–1980) zum hohen Empfindungsvermögen untersuchen und anwenden. Einleitend stellt Michael M. Piechowski das Konzept des hohen Empfindungsvermögens vor, wie es der polnische Psychiater, Psychologe und Philosoph Dabrowski entwickelt hat. R. Frank Falk und Nancy B. Miller stellen neuere Untersuchungen zum hohen Empfindungsvermögen vor (HE). Sie unterscheiden psychomotorische von sensorischen HE-Formen, imaginatives von intellektuellem und von emotionalem HE. Die referierten Studien konnten nachweisen, dass begabte Kinder und Jugendliche sich von nicht-begabten durch ein höheres Empfindungsvermögen in verschiedenen Bereichen unterscheiden (allerdings wird im Artikel nicht genannt, wie «begabt» definiert wurde). Sal Mendaglio stellt den Prozess der Entwicklung in Dabrowskis Theorie dar, während Wieslawa Limont ihre Untersuchungen zum Zusammenhang von hohem Empfindungsvermögen und spezifischen Begabungen referiert. Die Beiträge von Alice Braham und Stephanie Schneider-Maessen nutzen das Konzept des hohen Empfindungsvermögens für einen erweiterten Blick auf Hochbegabung und erläutern dessen Anwendung in der Praxis.


High Ability Studies 1/2010

Die englischsprachige Zeitschrift des European Council for High Ability (ECHA) wartet in ihrer Sommerausgabe mit zwei Artikeln aus dem Sportbereich auf, bei denen es um sportspezifische Kreativität im Mannschafts-Ballsport (Memmert, Baker, Bertsch) und um Fragen von Effekten des Entwicklungsalters im Zusammenhang mit der Händigkeit im Tennis geht (Loffing, Schorer, Cobley). Ein weiterer Beitrag ist der möglichen Wirksamkeit von Mentoring-Programmen gewidmet und skizziert den eher enttäuschenden Forschungsstand dazu (Grassinger, Porath, Ziegler). Beiträge zu einem in Hong-Kong entwickelten Instrument zur Erfassung der Selbstwirksamkeit bezüglich Laufbahn- und Talententwicklung (Yuen, Gysbers, Chan, Lau, Shea) und zur öffentlichen Diskussion über Begabung und begabte Kinder in Finnland (Laine) schliessen die Nummer ab.

 

Persönlicher Bericht von einem Sommerkongress mit Howard Gardner

Veronika Bossard von der Fachstelle integrativer Begabungsförderung der Stadtschulen Zug weilte im Sommer dieses Jahres an einem Sommerkongress an der Universität Harvard und konnte dort mit Howard Gardner und seinem Team Gedanken austauschen zum Lernen in der Zukunft. In einem persönlichen Bericht schildert sie ihre Eindrücke und fasst die am Kongress formulierten Ideen zusammen. Der Bericht ist zu finden unter www.begabungsfoerderung.ch > Fundus > Materialien.

 

In eigener Sache


Redaktionsschluss für den nächsten Newsletter (März/April 2011) ist am 31. März 2011. Beiträge bitte bis zu diesem Datum an die unten stehenden Adressen senden. Danke!


Wir wünschen allen Netzwerk-Mitgliedern frohe Festtage
und einen guten Start ins Jahr 2011!


Andrea Jossen und Silvia Grossenbacher

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