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Heterogenität

 

Während Vielfalt (diversity) die Tatsache umschreibt, dass jeder Menschen sich vom andern durch unzählige individuelle Merkmale unterscheidet, bezieht sich der Begriff Heterogenität auf die Zusammensetzung von Gruppen nach sozialen Kategorien (Alter, Geschlecht, Nationalität, Ethnizität, Sprache u.a.). Der Begriff Heterogenität wird in Abgrenzung von Homogenität gebraucht. Im Bildungswesen der Moderne wurde Homogenität im Sinne der Gruppenzusammensetzung nach vergleichbarem Entwicklungs- und Leistungsstand angestrebt (Jahrgangsklassenprinzip, Mehrgliedrigkeit der Sekundarstufe I, separative Sonderschulung). Homogen zusammengesetzte Lerngruppen sollten das Unterrichten erleichtern und das Lehren wirksamer gestalten. Die Homogenisierbarkeit erwies sich jedoch als Fiktion; gleichwohl wurde der Unterricht lange gemäss dieser Fiktion auf einen «mittleren Normalschüler» ausgerichtet. Schülerinnen und Schüler, die der Norm nicht entsprachen, konnten von diesem Unterricht wenig profitieren und liefen Gefahr, ausgesondert zu werden.
Mit der Individualisierung und Pluralisierung der Gesellschaft sowie der zunehmenden Sensibilität für Bildungsungerechtigkeit aufgrund zugeschriebener Merkmale wie Geschlecht und soziale Herkunft kam diese Konzeption an ihre Grenzen und erwies sich zunehmend als problematisch. Denn die soziale Gruppierung aufgrund zugeschriebener Merkmale (Etikette, Stigma) wirkt sich für das Lernen weniger förderlich aus als erhofft und kann auch zur Benachteiligung der Lernenden in den ausgesonderten Gruppen führen. Deshalb ist im Bildungswesen heute eine Trendwende hin zur bewussten Akzeptanz heterogen zusammengesetzter Lerngruppen zu beobachten.


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