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Minderleistung

 

Minderleistung (engl. underachievement von to achieve = etwas zustande bringen, ein Ziel erreichen) lässt sich scheinbar einfach definieren: Sie liegt dann vor, wenn → Potenzial nicht zur Realisierung geführt werden kann. Diese konzeptuelle Definition ist sehr weit gefasst. Minderleister wäre demnach jeder, der in einem Teilgebiet nicht das zustande bringt, was er eigentlich zu leisten vermöchte. Für die Schule wird deshalb gern eine operationale Definition verwendet, etwa «Minderleistende sind Kinder und Jugendliche, deren Schulleistungen schlechter ausfallen, als ihre intellektuellen Fähigkeiten vermuten lassen» (Brunner, Gyseler, Lienhard, 2005). Diese Definition kann dazu führen, dass ein hoher IQ (→ Begabung) mit tiefen Schulnoten in Relation gesetzt wird, um damit besondere Fördermassnahmen zu begründen.
Stedtnitz (2008) gibt zu bedenken, dass Hochleistungen (und damit auch Minderleistungen) nicht auf Schulleistungen beschränkt werden können und dass das Leistungspotenzial eines Menschen nur beschränkt messbar ist. Sie schlägt folgende Definition vor: «Minderleistung ist, wenn ich nicht erreichen kann oder konnte, was ich erreichen möchte oder wollte.» Diese Definition schliesst den Misserfolg und das Leiden daran mit ein.
Bei Verdacht auf Minderleistung im schulischen Bereich ist eine vertiefte → Abklärung der psychologischen Hintergründe durch den Schulpsychologen angezeigt. Kennt man die dahinterliegenden Gründe (wie z.B. → schulischer Misfit, Persönlichkeitsmerkmale oder familiäre Einflüsse), so können die individuell erforderlichen Massnahmen besser bestimmt werden.


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